POL-BO: 110 Jahre Polizeipräsidium Bochum: Eine Reise durch die Geschichte – Teil 3 von 5

Früher und Heute - das Gebäude des Polizeipräsidiums ist 90 Jahre alt. (Polizeipräsidium Bochum) - Foto: © Polizei Bochum

Bochum, Herne, Witten (ots) –

110 Jahre wird das Polizeipräsidium Bochum in diesem Jahr – Zeit,
zurückzublicken und die Jahre und Ereignisse Revue passieren zu
lassen. In 110 Jahren ist viel passiert in unserem Revier – über
viele Dekaden hinweg hat sich einiges verändert.

Wir wollen mit Ihnen durch die Zeit reisen – in einer Serie mit
fünf Teilen. Wir veröffentlichen Einblicke in die Geschichte unseres
Präsidiums in loser Reihenfolge. Teil 1 und 2 handelten von der
Gründungszeit bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Nachlesen
unter https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/4282534,
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/4285027 ).

Teil 3 prägt die Zeit des Wirtschaftswunders – außerdem erblickt
unsere Polizeipuppenbühne das Licht der Welt.

>>Wirtschaftswunder: Kalter Krieg und Puppenspiel

Ihre fetten Jahre erlebte die junge Bundesrepublik in den 1950ern:
Nach den Kriegsjahren hatte sich die Situation allmählich
normalisiert und die Wirtschaft im Land boomte. Die Polizei wurde zu
dieser Zeit verstaatlicht.

Die rasante technische Entwicklung machte auch vor der Polizei
nicht halt. Anfang April 1952 gingen in Bochum die ersten
Funkstreifenwagen an den Start. 24 Fahrzeuge machten den Anfang, bis
1956 war das gesamte Polizeipräsidium motorisiert. Da die Situation
mit Autos, die bis heute jederzeit im Kontakt mit der Leitstelle
stehen, für Bürgerinnen und Bürger damals ein Novum war, schrieb die
Allgemeine Zeitung in Herne: „Dennoch braucht der Kontakt zwischen
Bevölkerung und Polizei nicht verlorenzugehen. Wünschenswerte
Hinweise, die zur Aufklärung von Straftaten dienen, nehmen auch die
Wagenbesatzungen entgegen.“

Wie ungewohnt die Situation für die Bürgerinnen und Bürger nun
war, zeigt ein Zeitungsartikel aus Herne aus dem Jahr 1952. Wo vorher
ein Verkehrspolizist den Verkehr an der Bahnhofstraße in Herne
geregelt hatte, sollte jetzt ein Fußgängerüberweg den Bürgern über
die Straße helfen. Doch „die Fußgänger sammeln sich an, niemand aber
wagt es, den Fußgängerüberweg (…) zu betreten, niemand von den
Kraftfahrern denkt daran, abzustoppen.“ Betitelt war das Thema mit
„Hier fehlt der Streifenbeamte“.

Im Juni 1952 zogen dann die fünfte und sechste
Einsatzhundertschaft feierlich in die Gebäude der ehemaligen
Polizeiunterkunft „Staatsminister Severing“ in Bochum ein.
Innenminister Dr. Meyers weihte den Standort an der Castroper Straße
offiziell ein. Das war eine Kehrtwende, denn geschlossene
Polizeiverbände waren in der entmilitarisierten, dezentralisierten
Bundesrepublik nach Kriegsende eigentlich nicht vorgesehen. Da die
Furcht der Bundesregierung und der West-Alliierten vor einem
Stellvertreterkrieg der Volkspolizei in der sowjetischen
Besatzungszone aber groß war, wandte sich Bundeskanzler Konrad
Adenauer mit einer Note an die Alliierte Hohe Kommission für
Deutschland und beantragte eine „Bundesgendarmerie“ von 25.000 Mann.
Das lehnte das Gremium ab, genehmigte gleichzeitig aber eine 10.000
Mann starke „mobile Polizeiformation“ in den Ländern – die
Geburtsstunde der Bereitschaftspolizei.

In der Ausbildung dominierte der „waffenpolizeiliche Dienst“: Dazu
gehörten Gelände-, Straßen-, und Gebäudekampf, aber auch die Nutzung
von Maschinenpistolen und Handgranaten. Dieses brachiale Auftreten
kam nicht überall gut an. Weil der Polizeieinzeldienst die neue
Einheit als paramilitärisch ansah, ging er zunehmend auf Distanz. Als
die sowjetische Revolution ausblieb, wurden die
Bereitschaftspolizeien neu aufgestellt und zunehmend am Einzeldienst
ausgerichtet. Mit der Studentenbewegung der 1960er Jahre hatte die
Bereitschaftspolizei bei zahlreichen Großdemonstrationen dann auch
alle Hände voll zu tun. Bis heute bildet die Bereitschaftspolizei das
Rückgrat der Polizei. Landesweit werden die Kolleginnen und Kollegen
erfolgreich bei Demonstrationen und Fußballspielen sowie bei
besonderen Lagen eingesetzt.

Neue Wege in Sachen Verkehrserziehung ging die Polizei im Jahr
1953: Mit der Gründung der Puppenbühne begeisterten die Beamten die
Kinder in Bochum, Herne und Witten. Was als normales Kasperletheater
begann, entwickelte sich über die Jahre zu professionell inszenierten
Stücken mit eigenen Figuren, detaillierter Kulisse und aufwendigem
Lichtspiel. Das aktuelle Stück heißt „Das große Glühen“.
(Detailliertere Infos finden Sie hier:
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/4223730).

Die Verkehrspuppenbühne ist seit Beginn ein wichtiger Baustein der
Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei. Ziel ist es, das Bewusstsein
für die Gefahren des Straßenverkehrs bei den Kindern und auch Eltern
zu wecken.

In den 1950er Jahren entstand beim Polizeipräsidium Bochum die
Pressearbeit wie wir sie heute kennen. Vom sperrigen Beamtendeutsch,
das den Polizeibehörden selbst heute noch gelegentlich vorgeworfen
wird, sind die Pressemeldungen der damaligen Zeit übrigens weit
entfernt. Eine Meldung vom 17. Mai 1956 liest sich zum Beispiel so:

„Vorschriftsmäßig benutzte der Fußgänger den schmalen Gehweg nahe
der Häuserfront (…) Plötzlich sprang der Mann wie von einer
Tarantel gestochen zur Seite. Es war sein Glück, dass in diesem
Moment kein Fahrzeug an dieser Stelle vorbeifuhr und er der hinteren
Stoßstange eines mit Elan aus einer Häuserlücke rückwärts
herausfahrenden Pkw soeben noch auszuweichen vermochte. Ein
Schreckensruf – dann kam der Wagen mit dem hinteren Ende auf dem
Gehweg zum Halten. Passiert war weiter nichts. Aber hätte die Sache
für den Fußgänger nicht schwere Folgen mit sich bringen können?“

Teil 4 der Serie wird voraussichtlich am Donnerstag, 6. Juni
veröffentlicht. Dann geht es um die 1970er Jahre: Bei der Polizei
halten Computer Einzug – und auch Frauen sind von nun an im
Streifenwagen zu sehen.

———————— 110 Jahre Polizeipräsidium Bochum –
Feiern Sie mit uns! Am 15. Juni 2019 öffnet die Polizei zum TAG DER
OFFENEN TÜR seine Pforten am Gelände der Bereitschaftspolizei Bochum
(Adresse: Krümmede 2, 44791 Bochum). Erleben Sie Ihre Polizei mit all
ihren Einsatzgebieten und feiern Sie mit uns diesen besonderen
Geburtstag. Weitere Infos finden Sie hier:
https://bochum.polizei.nrw/artikel/110-jahre-polizei-bochum

Rückfragen bitte an:

Polizei Bochum
Pressestelle
Tanja Pfeffer
Telefon: 0234 909-1027
E-Mail: pressestelle.bochum@polizei.nrw.de
https://www.polizei.nrw.de/bochum/

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15. Juni 2019 – Tag der offenen Tür
Feiern Sie mit uns 110 Jahre Polizeipräsidium Bochum
Infos: bochum.polizei.nrw

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