Innenministerium NRW: Landeskriminalamt stellt erstes Lagebild Clankriminalität vor Reul: „Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität. Wir reden von schweren Verbrechen bis hin zu Tötungsdelikten.“

40217 (ots) – Das Ministerium des Innern teilt mit:

Das Landeskriminalamt (LKA) hat das erste Lagebild zur
Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen erstellt. Thomas Jungbluth,
Abteilungsleiter „Organisierte Kriminalität“, überreichte es heute
(15. Mai 2019) im LKA an Innenminister Herbert Reul. Über ein Drittel
der mehr als 14.000 untersuchten Straftaten, die Clanmitgliedern
zuzuordnen sind, waren so genannte Rohheitsdelikte, etwa Bedrohung,
Nötigung, Raub und gefährliche Körperverletzung. „Wir haben es hier
eben nicht mit Eierdieben und Tabakschmugglern zu tun.
Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität. Wir reden von schweren
Verbrechen bis hin zu Tötungsdelikten“, sagte Reul.

Insgesamt zählen die Spezialisten des LKA 104 Clans, deren
Mitglieder in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2016 bis 2018
auffällig geworden sind. Das Lagebild weist 6.449 Tatverdächtige aus,
denen 14.225 Straftaten zuzuordnen sind. Auch 26 versuchte und
vollendete Tötungsdelikte konnte die Polizei Clanmitgliedern
zuordnen. „Jahrelang wurden die Hinweise der Bürger, aber auch aus
Polizeikreisen zu diesem Problem geflissentlich ignoriert. Ob aus
falsch verstandener politischer Korrektheit oder weil man der
Auffassung war, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Damit ist
nun endlich Schluss. Bei uns gilt nicht das Gesetz des Clans, sondern
das Gesetz des Staates“, so Reul.

Die Bekämpfung der Clan-Kriminalität ist auch der Schwerpunkt des
Innenministeriums im Rahmen der Ruhr-Konferenz.

In ihrem Lagebild kommt die Polizei zu dem Schluss, dass Clans im
ganzen Land aktiv sind, ein Schwerpunkt aber in den Metropolen des
Ruhrgebietes liegt. Allerdings sind Clans auch in den Großstädten am
Rhein aktiv und fallen inzwischen selbst im ländlichen Raum mit
Straftaten auf. Neben offen illegalen Aktivitäten (Rauschgifthandel,
Glücksspiel, Sozialleistungsbetrug) betreiben Clanmitglieder auch
scheinbar legale Geschäfte (Autohandel,
Sicherheits-Dienst-leistungen, Schlüsseldienste), meist mit dem Ziel
zu betrügen, Geld zu waschen oder als Tarnung für kriminelle
Vorhaben.

Das Lagebild weist zehn Clans aus, die alleine für einen Großteil
(rund 30 Prozent) der erfassten Straftaten verantwortlich sind. „Das
sind schon Mafia-Strukturen und Parallelwelten, in denen die
Missachtung von Recht und Gesetz von einer Generation auf die nächste
weitergegeben wird. Diesen Mechanismus zu durchbrechen, ist auch
unser Ziel. Schon im Interesse der Kinder, die in diesem Milieu aus
Gewalt und Verbrechen aufwachsen müssen“, so Reul.

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