POL-UL: (BC) (GP) (HDH) (UL) Region – Verkehrssicherheit in der Region bleibt auf hohem Niveau /

Bei den Schwerpunktkontrollen festgestellte Verstöße der Polizei: kein Gurt

Ulm (ots) –

Die Polizei hat am Donnerstag ihr Verkehrssicherheitslagebild 2018
für den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm vorgestellt. Demnach sei
die Zahl der Verkehrsunfälle seit langem erstmals wieder rückläufig,
die Zahl der Verkehrstoten unverändert. Die Zahl der Verletzten habe
jedoch zugelegt.

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Bereich des
Polizeipräsidiums Ulm hat im vergangenen Jahr, erstmals seit 2014,
wieder abgenommen. 23.619 Verkehrsunfälle verzeichnet die
Unfallstatistik der Polizei. Das sind 174 Unfälle weniger als im
Vorjahr (-1 Prozent). Dieser Rückgang bezieht sich jedoch allein auf
die Zahl der Unfälle mit Sachschaden und Kleinstunfälle. Deren Zahl
sank um 305 Fälle (-1 Prozent), während die Zahl der Unfälle mit
Personenschaden um 131 auf jetzt 3.038 anstieg (+5 Prozent). Auch die
Zahl der Verletzten stieg um 184 auf jetzt 4.072 Verletzte (+5
Prozent) an. Die Zahl der Getöteten blieb im Jahr 2018 mit 41
Verkehrstoten im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm unverändert. „Mit
der Entwicklung bei den Unfällen mit Personenschaden können wir nicht
zufrieden sein“, resümiert Polizeipräsident Christian Nill, Leiter
des Polizeipräsidiums Ulm.

ZAHL DER VERKEHRSTOTEN GEHT LANGFRISTIG ZURÜCK

Der Trend zeige auf lange Sicht einen Rückgang der Verkehrstoten,
auch im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm. Deren Zahl lag im Jahr
2010 noch bei 52 Verkehrstoten und ist jetzt im fünften Jahr in Folge
darunter und tendenziell weiter rückläufig. „Die Bekämpfung der
Ursachen schwerer Verkehrsunfälle ist seit Jahren eines der
Handlungsfelder, dem sich das Polizeipräsidium Ulm verschrieben hat“,
erläutert Nill. „Unsere Maßnahmen zeigen durchaus Erfolge. Durch
unsere intensiven Kontrollen ist es uns gelungen, die Hauptursache
Geschwindigkeit weiter zu reduzieren“, so Nill weiter. Tatsächlich
sank deren Zahl auf 789 Unfälle, dem zweitniedrigsten Stand der
letzten Dekade. Dazu habe die Polizei intensive Kontrollen über das
ganze Jahr durchgeführt und 92.062 Verstöße durch zu schnelles Fahren
aufgedeckt, ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. Parallel dazu seien
auch die Unfälle durch Missachten der Vorfahrt (-19 auf 1831 Unfälle,
– 1 Prozent) und durch Fehler beim Abbiegen (-55 auf 496 Unfälle, –
10 Prozent) zurückgegangen. Auch die Zahl der Unfälle durch Fehler
beim Überholen sank um 39 auf 402 Unfälle (-9 Prozent). Dies seien
alles Ursachen, die auf Eile zurückzuführen seien. Doch Eile sei im
Straßenverkehr fehl am Platz, sagte Polizeipräsident Nill. Er mahnte
die Autofahrer, sich die Zeit zu nehmen und lieber eine Minute länger
unterwegs zu sein, als jemand anderen oder sich selbst zu verletzen
und damit sein Leben lang zu zeichnen.

WETTER HINTERLÄSST ABDRUCK IN DER STATISTIK

Bei der Analyse der Unfälle habe sich gezeigt, dass das gute
Wetter des vergangenen Jahres zur Entwicklung der Unfallzahlen
beigetragen hat: Waren es im Jahr 2017 noch 10 Zweiradfahrer, die
getötet wurden, so waren es 2018 insgesamt 14 getötete Zweiradfahrer
(sieben Motorradfahrer, eine Sozia, sechs Radfahrer). „Je mehr
Zweiradfahrer unterwegs sind desto höher ist das Risiko, dass jemand
aus dieser Gruppe in einen Unfall verwickelt ist. Und Zweiradfahrer
haben keine Knautschzone. Unfälle mit ihnen führen fast immer zu
Verletzungen“, erläutert Manfred Burger, Leiter der
Verkehrspolizeidirektion des Polizeipräsidiums Ulm. Deshalb habe die
Polizei mit ihren Präventionsangeboten gerade diese Zielgruppe
besonders im Blick. So werde zum Beginn der Motorradsaison regelmäßig
mit Schwerpunktkontrollen auf die Gefahren hingewiesen. Außerdem
biete die Polizei Biker-Treffen, um mit den Motorradfahrern ins
Gespräch zu kommen. Bei den Radfahrern setze die Polizei mit der
Verkehrserziehung in Schulen viel früher an. Sehr früh sollen die
Kinder auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden.
Dieses Erfolgsmodell trage auch langfristig Früchte: So sei die Zahl
der Schulwegunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm mit 42
Unfällen auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre angekommen.

SENIOREN VERURSACHEN MEHR UNFÄLLE

Dagegen bereitete die Beteiligung älterer Menschen am
Straßenverkehr Grund zur Sorge: „Betrachtet man die Verkehrsunfälle,
bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, so stieg die Zahl
der Senioren als Verursacher von 376 im Jahr 2017 auf jetzt 454. Das
sind 78 Unfälle mehr, was einer Zunahme um 21 Prozent entspricht“,
gibt Burger zu bedenken. Deshalb rücke die Zielgruppe der Senioren
immer mehr in den Fokus polizeilicher Präventionsarbeit. Etwa im
Rahmen der landesweiten Aktion „sicher fit unterwegs“, aber auch im
Rahmen von Verkehrskontrollen, bei denen die Polizei stets darauf
achte, ob Senioren noch geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
seien. Gebe es Zweifel an dieser Eignung, informiere die Polizei die
Führerscheinstellen, damit diese weitere Maßnahmen prüfen können.
Doch auch als Zweiradfahrer bereiteten die Senioren Sorgen. Denn die
Zahl der Unfälle mit Pedelecs, die zu einem großen Anteil von
Senioren gelenkt würden, steige ständig. Gegenüber dem Vorjahr sei
die Zahl um etwa ein Drittel (+36 Prozent, +31 Unfälle) auf jetzt 117
Unfälle angestiegen. Die Hälfte der Beteiligten waren Senioren, wobei
31 den Unfall selbst verursachten. Das lasse sich durchaus darauf
zurückführen, dass im Alter Konzentrationsfähigkeit und Reflex
nachlassen. Dabei sei gerade das Führen dieser Fahrräder, die
regelmäßig höhere Geschwindigkeiten zuließen als normale Fahrräder,
sehr anspruchsvoll. Hinzu kommt die Schwierigkeit, neben dem Fahren
die Technik zu bedienen.

ZAHL DER ALKOHOLUNFÄLLE GEHT ZURÜCK – NICHT DIE DER DROGENUNFÄLLE

Die intensiven Kontrollen der Polizei seien auch einer der Gründe
für einen Rückgang der Alkoholunfälle. Deren Zahl sank im Jahr 2017
um 30 auf jetzt 335 Unfälle (-8 Prozent), den niedrigsten Wert der
letzten Dekade. Im Gegenzug habe die Polizei 1.133 Fahrer unter
Alkoholeinfluss aus dem Verkehr gezogen, 191 mehr als im Jahr zuvor
(+20 Prozent). „Hier müssen wir noch dicke Bretter bohren um unsere
Botschaften in die Köpfe der betroffenen Fahrer zu bekommen“, sagte
Nill und ergänzte: „Fahren und Alkohol trinken passt einfach nicht
zusammen. Wer das ignoriert riskiert nicht zu Unrecht seinen
Führerschein.“ Immerhin seien bei 143 Alkoholunfällen Menschen
verletzt worden. Die Zahl der Drogenunfälle bewege sich zwar auf
niedrigem Niveau, steige aber tendenziell an. 37 Drogenunfälle
registrierte die Polizei im Jahr 2018, den höchsten Wert im
10-Jahres-Vergleich. Das Polizeipräsidium Ulm intensiviere derzeit
ihre Maßnahmen gegen Drogen im Straßenverkehr. Aktuell werde eine
neue Konzeption umgesetzt, in der zunächst Polizeibeamte gezielt
intensiv geschult würden. Dann solle die Zahl der Kontrollen weiter
angehoben werden. „Rauschgift darf im Leben der Menschen keinen
Stellenwert haben. Und im Straßenverkehr schon gar nicht“,
bekräftigte Nill die Absicht der Polizei, gegen diese Rauschmittel
vorzugehen.

IMMER MEHR FAHRER BRINGEN SICH IN GEFAHR

Erschreckend hoch sei die Zahl der Fahrer, die gleichzeitig das
Handy bedienten. 5.535 solcher Ordnungswidrigkeiten registrierte die
Polizei im Jahr 2018, das sind 816 Verstöße mehr als noch im Vorjahr
(+22 Prozent). Besonders bedenklich sei das angesichts der Tatsache,
dass sich bei zwölf der tödlichen Unfälle keine Ursache ermitteln
ließ. Das deute auf Ablenkung als Ursache hin. Hier komme angesichts
der steigenden Zahl an Verstößen durchaus die Ablenkung durch das
Telefon, das Navi oder das Radio in Betracht. Die Polizei appelliere
deshalb dringend an die Fahrer, das Telefon liegen zu lassen, auch
wenn es bei der Fahrt klingelt. Die Polizei unterstützt deshalb die
Aktion des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) unter dem Motto
#FingerwegvomHandy (www.runtervomgas.de/ablenkung), der mit einfachen
Sprüchen auf die Gefahren hinweist: „Nicht rangehen heißt nicht
draufgehen“ oder „Lieber nicht erreichbar als nicht zu retten“ usw.
Aber auch die hohe Zahl der Fahrer, die nicht angegurtet sind oder
keinen Helm tragen stimmt nachdenklich: 7.953 Fahrer ohne Gurt musste
die Polizei anzeigen, 435 weitere, weil die Kinder nicht gesichert
waren. 66 Fahrer trugen keinen Helm. 8.454 Fahrer haben damit auf die
„Lebensretter Nr. 1“ verzichtet, 1.250 mehr als im Jahr zuvor (+19
Prozent).

POLIZEI WIRD WEITER INTENSIV KONTROLLIEREN

„Die Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle mit all ihren Facetten
bleibt einer der Schwerpunkte der polizeilichen Arbeit“, bekräftigte
Polizeipräsident Nill am Ende des Pressegesprächs. Durch gezielte
Verkehrsüberwachung auf unfallträchtigen Strecken könne das Verhalten
der Fahrenden positiv beeinflusst werden. Deshalb würden auch 2019
Schwerpunktaktionen zum Start der Motorradsaison durchgeführt,
Gurtpflicht, Telefonnutzung und Geschwindigkeit intensiv überwacht.
Diese Maßnahmen seien Säulen der Verkehrssicherheitsarbeit, betonte
Nill. Daneben solle mit gezielten Informations- und
Aufklärungsveranstaltungen und einer engen Zusammenarbeit mit
Partnern, Behörden und Arbeitskreisen, ein Mehr an Sicherheit im
Straßenverkehr erreicht werden.

Wolfgang Jürgens, Tel. 0731/188-1111, E-Mail:
ulm.pp.stab.oe@polizei.bwl.de

Das Polizeipräsidium Ulm ist eines von zwölf Regionalpräsidien der
Polizei des Landes Baden-Württemberg. Seine 1.700 Beschäftigen sorgen
in den Landkreisen Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim und in
der Stadt Ulm rund um die Uhr für die Sicherheit von fast 900.000
Einwohnern. Zwölf Polizeireviere mit 31 Polizeiposten sind auf dieser
Fläche von rund 4.155 Quadratkilometern verteilt, um nah bei den
Bürgerinnen und Bürgern zu sein. Die Kriminalpolizeidirektion in Ulm
mit acht spezialisierten Inspektionen und je einem
Kriminalkommissariat in Biberach, Göppingen und Heidenheim ist in
erster Linie für die Bekämpfung schwerer Kriminalität zuständig. Für
die Verkehrssicherheit sorgt die Verkehrspolizei in Heidenheim mit
Verkehrskommissariaten in Mühlhausen im Täle und Laupheim. Gewerbe-
und Umweltermittler der Polizei sind von Ulm, Biberach und Geislingen
aus tätig. Die Polizeihundeführerstaffel hat ihren zentralen Sitz in
Ulm. Das Polizeipräsidium Ulm wurde im Jahr 2017 im Rahmen einer
Fremdbewertung durch die Deutsche Gesellschaft für Qualität mit dem
Ergebnis „Recognised for Excellence – 4 Star“ ausgezeichnet.

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