POL-SH-AFB: Ein Kalender fürs Leben – Vortrag eines Zeitzeugen des Holocaust bei der Polizeidirektion AFB in Eutin

Eutin (ots) – Tswi Herschel, Zeitzeuge des Holocaust, hielt am
Dienstag, 20.03.2018, einen Vortrag bei der Eutiner Polizeidirektion
für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei
Schleswig-Holstein (PD AFB). In der Zeit von 14.00 – 15.30 Uhr fanden
sich im Speisesaal 125 Auszubildende der PD AFB Eutin und Studierende
der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD)
Altenholz, Fachbereich Polizei, ein. Der Einladung folgten weitere 65
Gäste aus Politik, Verbänden, Organisationen und Landespolizei. In
seiner Begrüßung dankte Polizeidirektor Arne Dunka Frau Gabriele
Hannemann. Diese hatte als Vorsitzende des Vereins „Yad Ruth e. V.“
den Kontakt zwischen Landespolizei und dem Referenten hergestellt und
so die Möglichkeit der aktiven und aktuellen Auseinandersetzung der
Polizei mit ihrer Rolle im Dritten Reich eingeräumt. Ein Grußwort
hielt Innenstaatssekretär Torsten Geerdts. Dieser appellierte an die
Zuhörer: „Meinungsvielfalt und Pluralität sind Kernelemente unserer
Demokratie. Selbst ein unvorstellbares Verbrechen wie der Holocaust
begann mit der gezielten sprachlichen Entwertung von Menschen. Wer
heute als Polizistin oder Polizist auf der Straße unterscheiden soll,
wann eine Meinung eine Meinung ist, und wann es sich um wohlmöglich
radikale Bestrebungen handelt, unsere Verfassung und unseren Staat zu
bekämpfen, der braucht das nötige Rüstzeug. Gespräche mit Zeitzeugen
stehen hier an der Polizeischule in Eutin deshalb zu Recht immer
wieder auf dem Stundenplan.“ In einem bewegenden Vortrag berichtete
Tswi Herschel aus seinem Leben. Als Kind einer jüdischen Familie
wurde er im Jahr 1942 im niederländischen Zwolle geboren. Noch vor
ihrer Deportation traf die Familie die schwierige Entscheidung, ihren
Sohn zunächst aus dem Amsterdamer Juden-Ghetto schmuggeln zu lassen,
um sein Überleben zu sichern. Als dieses gelang, wurde Tswi Herschel
als 6. Kind bei der protestantischen Familie de Jongh aufgenommen,
die ihn unter dem Namen „Henkie“ liebevoll aufzog. Im Alter von acht
Jahren erfuhr Tswi Herschel seinen Geburtsnamen und ging ab diesem
Zeitpunkt seiner Herkunft nach. Orientierung bot der Lebenskalender,
den Tswi Herschels Vater kurz nach der Geburt des Sohnes gezeichnet
hatte. Dieser war von großer Hoffnung und Zuversicht auf eine
selbstbestimmte Zukunft der Familie geprägt. Tswi Herschel blieb es
verwehrt, seine Eltern kennenlernen können. Sie wurden im
Vernichtungslager Sobibor ermordet.

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Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die
Bereitschaftspolizei Schleswig-Holstein
SB 11
Lars Reimer
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E-Mail: lars.reimer@polizei.landsh.de

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