LKA-NRW: Biologen des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen testen modernste Labortechnik zur Untersuchung von Körpersekreten – EU-Projekt zur besseren Identifizierung von Tatortspuren geht an den Start

Düsseldorf (ots) – Das Kriminalwissenschaftliche- und technische
Institut (KTI) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen (LKA NRW)
startete am 1. August ein neues EU-gefördertes Projekt zum Test von
modernster Labortechnik.

Zukünftig sollen bestimmte Tatortspuren noch besser und
aussagekräftiger ausgewertet werden können. Im Rahmen dieses
Projektes wird geprüft, ob menschliche Körperflüssigkeiten wie Blut,
Speichel, Sperma oder Vaginalsekret, die an Tatorten gefunden wurden,
gleichzeitig und dabei noch zutreffender analysiert werden können.
Mit Hilfe der so genannten Massenspektrometrie soll diese Analyse
durchgeführt werden. Das auf zweieinhalb Jahre veranschlagte Projekt
wird gemeinsam mit dem Medizinischen-Proteom-Center der
Ruhr-Universität Bochum (RUB) und dem Bayerischen LKA (BLKA)
durchgeführt. Der Innere Sicherheitsfonds der EU fördert dieses
Projekt mit finanziellen Zuwendungen.

Dabei testen Biologen der Landeskriminalämter Bayern und NRW
zusammen mit den Wissenschaftlern der RUB unter Einsatz von
High-Tech-Geräten erstmals in Deutschland die so genannte
„Massenspektrometrie“ oder auch „Proteomics“ zur Protein-Analyse von
Körperflüssigkeiten in der Kriminaltechnik. Mit dieser aufwendigen
Labortechnik, die im Proteom-Center der RUB zur Verfügung steht,
können in einer Labormessung gleichzeitig sehr viele Proteine mit
einer sonst nicht zu erreichenden Genauigkeit untersucht werden.

Einige dieser Proteine sind wiederum hochspezifisch für Blut,
Speichel, Sperma oder Vaginalsekret. Zukünftig soll es so möglich
sein, auch bei komplizierteren Spuren, wie etwa Mischungen
verschiedener Sekrete, zu möglichst aussagekräftigen Ergebnissen zu
kommen, um den Beweiswert einer Spur stark zu erhöhen. Diese
Möglichkeit ist als Ergänzung zur hier etablierten DNA-Analyse
anzusehen, bei der auch Tatortspuren ausgewertet und analysiert
werden. Bei einer DNA-Analyse geht es darum, den Verursacher der Spur
zu identifizieren oder Tatzusammenhänge zu erkennen. Bei der
Massenspektrometrie-basierten Untersuchung können die Wissenschaftler
umfassender und sicherer zusätzlich die Körpersekrete bestimmen, aus
denen die Zellen für die DNA-Analyse stammen.

Kriminaltechnisches Neuland

Während die Methode der Massenspektrometrie in der medizinischen
Forschung bereits viele Erfolge erzielte, ist ihr Einsatz in der
Kriminaltechnik, zumindest in Deutschland, Neuland. Das Verfahren
soll letztlich auch helfen, Straftäter besser zu überführen. Denn
wenn Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Sperma und Vaginalsekret
am Tatort gefunden oder an Personen sichergestellt werden, die an
einem Verbrechen beteiligt waren, sind sie für die polizeiliche
Ermittlung meist von großem Nutzen: Sie dienen nicht nur als
Ausgangsmaterial für DNA-Analysen, sondern auch oft zur
Rekonstruktion des Tatherganges. Insbesondere wenn es keine weiteren
Zeugen gibt, wie etwa häufig bei Sexualdelikten, kann die eindeutige
Bestimmung eines Körpersekrets den Beweiswert einer Spur stark
erhöhen. Damit besteht die realistische Erwartung, nach einem
erfolgreichen Projektverlauf perspektivisch noch mehr Straftäter
anhand ihrer hinterlassenen Spuren überführen zu können.

Hintergrund: Massenspektrometrie

Zwar verfügen kriminaltechnische Labore schon jetzt über eine
Reihe von Methoden und Testverfahren, um verschiedene Sekrete zu
identifizieren – darunter chemische Reaktionen, Mikroskopie oder auch
Enzyme und Antikörper. Es werden aber auch laufend neue Ansätze und
Verfahren auf ihre Eignung getestet, um Tatortspuren möglichst
optimal auszuwerten. Ein solcher, vielversprechender Ansatz ist die
Massenspektrometrie, angewandt auf Proteine, auch bekannt als
„Proteomics“. Die Identifizierung, Charakterisierung und
Quantifizierung von Proteinen erfolgt hier durch die genaue
Bestimmung der Masse- zu Ladungs-Verhältnissen und das Erzeugen von
spezifischen Fragmenten. Das Medizinische-Proteom-Center der RUB ist
eines der führenden Institute auf diesem Gebiet. Durch die
Zusammenarbeit der verschiedenen Experten soll so modernste
Messtechnik in der Verbrechensbekämpfung Einzug halten.

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