IM-MV: Innenminister Caffier stellt Verkehrsunfallstatistik 2016 vor/Weniger Verkehrsunfalltote aber mehr Unfälle

Schwerin (ots) –

Die Entwicklung der Verkehrsunfallzahlen in Mecklenburg-Vorpommern
für das Jahr 2016 zeigt Licht und Schatten. Wie rau und gefährlich es
mitunter auf den Straßen in unserem Bundesland zugeht, spiegelt sich
in den Unfallzahlen des vergangenen Jahres wider.

1. Rückgang der Zahl der bei Verkehrsunfällen tödlich verletzten
Personen
2. Der Anstieg der Verkehrsunfälle insgesamt liegt vorrangig in den
Unfällen mit Sachschaden begründet.
3. Hauptverunglücktengruppe bilden mit Abstand die Pkw-Insassen,
4. Pedelecfahrer gewinnen immer mehr an Bedeutung
5. Wichtigste polizeiliche Leitlinie ist zukünftig konsequentes
Vorgehen gegen verkehrsgefährdendes Verhalten durch landesweite,
themenorientierte Schwerpunktkontrollen

Bei der Entwicklung der Verkehrsunfalllage in unserem Bundesland
liegt Mecklenburg-Vorpommern, außer bei den Verunglückten, zum Teil
deutlich unter dem Bundestrend. Während dort ein Anstieg von 2,75
Prozent zum Vorjahreszeitraum festzustellen ist, stieg die Zahl der
in Mecklenburg-Vorpommern durch die Polizei registrierten Unfälle mit
insgesamt 56.971 nur um 1,6 Prozent bzw. 894 Unfälle. (2015: 56.077)
Der Anstieg in der Gesamtzahl liegt insbesondere in den Unfällen mit
Sachschaden (+ 1,7 % bzw. 897 Unfälle) begründet.

Bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden fällt
in Mecklenburg-Vorpommern der Anstieg mit 0,3 Prozent im Vergleich
zum Bund eher gering aus. Denn der Bundestrend lag hier bei einem
Anstieg von 0,7 Prozent. Die Zahl der Leicht- und Schwerverletzten
nahm um 1,7 bzw. 1,6 Prozent zu.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei der Zahl der
Verkehrsunfalltoten. Während im Jahr 2015 noch 93 Todesopfer auf den
Straßen unseres Landes zu beklagen waren, sank die Zahl im Jahr 2016
auf 89 tödlich verunglückte Personen. Das entspricht einem Rückgang
von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit setzt sich der seit
dem Jahr 2011 bestehende Trend mit deutlich unter 100 tödlich
verunglückten Verkehrsunfallopfern in unserem Bundesland fort.

Im Vergleich zu den anderen Flächenländern liegt
Mecklenburg-Vorpommern mit einer Häufigkeitszahl von rund 437
verletzten Personen je 100.000 Einwohner nach wie vor deutlich unter
dem Bundesschnitt (ca. 477) und auf Platz drei der Flächenländer.

„Mecklenburg-Vorpommern hat hinsichtlich des Straßenverkehrs
einige Besonderheiten aufzuweisen“, so Innenminister Lorenz Caffier
und ergänzt: „Im Vergleich der Bundesländer weist
Mecklenburg-Vorpommern jährlich die mit Abstand höchste
Tourismusintensität in Deutschland auf. Darüber hinaus nahm in M-V
die Zahl an Kraftfahrzeugen gemessen an der Zahl der Einwohner zu.
Das hat selbstverständlich Auswirkungen auf die Verkehrsdichte und
dementsprechend auf das Unfallrisiko. Insofern ist es bemerkenswert,
dass wir uns trotz dieser Faktoren bei der Häufigkeitszahl im
bundesweiten Ranking um einen Platz zum Vorjahr verbessern konnten.“

Mecklenburg-Vorpommern ist bekannt für seine Alleen, deren Schutz
Verfassungsrang hat. Doch Alleen bieten auch ein besonderes
Gefährdungspotential. Nicht zuletzt die Veränderung der
Verkehrsströme durch den Ausbau von überörtlichen Straßen und der
Umsetzung des Schutzplankenprogramms ist es zu verdanken, dass der
Anteil der tödlichen Unfälle mit Baumberührungen im vergangenen Jahr
erneut gesunken ist. Insgesamt 21 Menschen verloren 2016 ihr Leben
bei einem Baumanprall. Im Jahr 2015 waren hier noch 25 Getötete zu
beklagen.

Die Rangfolge der Hauptunfallursachen hat sich in den letzten
Jahren kaum verändert. Nach wie vor ist die nicht angepasste bzw.
überhöhte Geschwindigkeit eine der häufigsten Unfallursachen in
Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere bei den Verkehrsunfällen mit
schweren Personenschäden. Alle anderen Hauptunfallursachen wie
Nichtbeachten der Vorfahrt, Fahren unter Alkohol, Abstandsfehler oder
falsches Überholen sind anteilig weiter zurückgegangen.

„Bei den Unfallursachen der Verkehrsunfälle mit schwerem
Personenschaden ist Geschwindigkeit immer noch die Nummer eins. Das
heißt: Geschwindigkeitskontrollen bleiben wichtig und notwendig. Aber
wir müssen mehr machen, mehr erreichen. Vor allem müssen wir die
Menschen ansprechen, die das Lenkrad in der einen und das Smartphone
in der anderen Hand halten. Ihnen müssen wir klar machen, dass
während der Fahrt „online“ zu sein schnell dazu führt für immer
„offline“ zu sein“, so Innenminister Caffier.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte in der Altersgruppe der 18- bis
24-jährigen sowohl bei den Verunglückten als auch bei den
Verursachern Rückgänge verzeichnet werden, Diese betrugen bei den
Verunglückten 4,3 Prozent (-37) und bei den Verursachern 4,8 Prozent
(-31). Langfristig ist hier seit 2012 ein Rückgang von 24,6 Prozent
bei den Verunglückten bzw. 29,6 Prozent bei den Verursachern
festzustellen. Allerdings sind wie schon in den Vorjahren junge
Fahrerinnen und Fahrer, gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung,
auch diesmal wieder deutlich überproportional an schweren
Verkehrsunfällen beteiligt. Die Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen
stellt knapp 5 Prozent der Bevölkerung dar, ist jedoch immer noch mit
über 11,5 Prozent der Verunglückten überrepräsentiert.

Auch die Zahl der Verunglückten bei den sogenannten Disco-Unfällen
ist rückläufig. Hierzu gehören alle Unfälle mit Personenschaden, bei
denen der Hauptverursacher 16 bis 25 Jahre alt war und die sich im
Zeitraum von Freitag bis Sonntag sowie vor bzw. an gesetzlichen
Feiertagen jeweils von 20.00 bis 06.00 Uhr ereignet haben. Bei den
Disco-Unfällen starben im vergangenen Jahr 2 Jugendliche (2015: 3),
19 wurden schwer verletzt (2015: 20).

Caffier: „Dass auf Langfristigkeit angelegte präventive Maßnahmen
und Appelle an das Verantwortungsbewusstsein erfolgreich sein können,
beweist der seit mehreren Jahren rückläufige Trend bei den schweren
Disco-Unfällen. Präventionsmaßnahmen wie das fifty-fifty-Taxi-Ticket
sowie die Crash-Kurs-Veranstaltungen an Berufsschulen werden wir
deshalb auch fortsetzen.“

Der steigende Anteil von älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung
und die längere motorisierte Verkehrsteilnahme der Altersgruppe der
über 65jährigen erklären den Anstieg der Unfälle für diese
Bevölkerungsgruppe im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Anstieg beträgt
bei den über 65jährigen Verursachern von Verkehrsunfällen mit
Personenschaden ca. 7 Prozent, bei der Zahl der Verunglückten 2,4
Prozent. Trotz der signifikanten Steigerung kann in
Mecklenburg-Vorpommern bei der Mehrjahresbetrachtung hinsichtlich der
lebensälteren Verkehrsteilnehmer, gemessen an ihrem
Bevölkerungsanteil, noch nicht von einer Risikogruppe gesprochen
werden. Wir werden diese Verkehrsteilnehmer aber bezüglich unserer
präventiven Verkehrssicherheitsarbeit künftig verstärkt im Fokus
behalten müssen.

Bei der Betrachtung der Anzahl der Verunglückten zeigen sich bei
allen Arten der Verkehrsbeteiligung außer bei den motorisierten
Zweiradfahrern Anstiege. Hauptverunglücktengruppe bilden mit Abstand
die Pkw-Insassen. Hier kamen im Jahr 2016 mit insgesamt 4.043
Verunglückten insgesamt 118 Personen mehr zu Schaden als noch im Jahr
2015 (2015:3.925). Erfreulich ist in der Gesamtbetrachtung aber, dass
die Zahl der verunglückten Motorradfahrer um 7 Prozent auf 584
Personen gesunken ist (-44).

Auch wenn die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten
Radfahrer um 14 auf 1.548 gestiegen ist (+0,9 Prozent) und die
Entwicklung über mehrere Jahre betrachtet insgesamt auf
gleichbleibenden Niveau liegt, so bleibt festzustellen, dass die
Entwicklung des Anteils der zur Gruppe der Fahrradfahrer gehörenden
verunglückten Pedelecfahrer kritisch zu betrachten ist. Seit der
statistischen Erfassung der Verunglückten mit der Verkehrsbeteiligung
„Pedelc“ stieg deren Anteil an den Verunglücktenzahlen von ein auf
nun schon drei Prozent.

„Viele ältere Personen nutzen mit den Pedelecs die neu gewonnene
Mobilität, unterschätzen aber die Schwierigkeiten in der Fahrpraxis.
Sie haben keine Erfahrung mit hydraulischen Bremsen oder ignorieren
zunächst, dass sie beim motorunterstützten Fahrradfahren größere
Kurvenradien fahren müssen“, erklärt Innenminister Lorenz Caffier.
„Ich kann mir eine generelle Helmpflicht für Fahrradfahrer,
insbesondere für Pedelecnutzer, vorstellen, auch wenn ich weiß, dass
das kein populärer Vorschlag ist.“

Die meisten Unfälle sind vermeidbar, weil sie oft auf menschlichem
Fehlverhalten beruhen, das sich abstellen lässt. Es ist aber offenbar
noch nicht ins Bewusstsein aller vorgedrungen: Geschwindigkeit kann
töten! Die Landespolizei wird sich insbesondere auf die Bekämpfung
der Ursachen von Verkehrsunfällen mit Personenschäden konzentrieren.
Im Fokus stehen dabei Geschwindigkeitsübertretungen, Alkohol und
Drogen, aber auch die unzulässige Nutzung von Mobiltelefonen, da
durch die Ablenkung mit einem Smartphone oft verheerende Unfälle
geschehen. Dies gilt für motorisierte Verkehrsteilnehmer
gleichermaßen wie auch für Fahrradfahrer und Fußgänger. Zur
Bekämpfung der Hauptunfallursachen wird die Landespolizei deshalb in
diesem Jahr landesweit sogenannte themenorientierte
Schwerpunktkontrollen durchführen und trotz der Personalintensität
weiterhin an den polizeilichen Anhaltekontrollen festhalten. „Durch
die Anhaltekontrollen können nicht nur Verstöße gegen die
Straßenverkehrsordnung festgestellt werden, sondern auch andere
Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, so Innenminister Lorenz
Caffier. „Da diese Kontrollen jedoch mehr Zeit „pro
Ordnungswidrigkeit“ in Anspruch nehmen als eine rein technische
Geschwindigkeitskontrolle, ist ein Rückgang der festgestellten
Ordnungswidrigkeiten „Geschwindigkeit“ insgesamt bei zeitgleichem
Anstieg der Feststellungen bei Anhaltekontrollen in diesem Bereich
nicht verwunderlich.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der polizeilich festgestellten
Ordnungswidrigkeiten insgesamt um 5,3 Prozent gesunken. Die Zahl der
im Rahmen von Anhaltekontrollen festgestellten Ordnungswidrigkeiten
„Geschwindigkeit“ stieg dagegen um 2,8 Prozent. Bei polizeilichen
Anhaltekontrollen musste in 58.167 Fällen die Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit angezeigt werden. (2015: 56.583).

Innenminister Lorenz Caffier: „Zu den Basics des Autofahrens
gehört es auch, sich anzuschnallen. Dabei sollte das Anschnallen beim
Einsteigen ein Automatismus sein. Ehe das Gurtschloss nicht
einrastet, sollte der Wagen eben nicht losrollen. Ganz egal, wie kurz
die Fahrt auch werden mag.“ Erfreulich ist, dass sich auch im
vergangenen Jahr wieder 13,7 Prozent weniger Verstöße gegen die
Anschnallpflicht feststellen ließen. Der seit Jahren anhaltende
Trend, dass die Fahrzeuginsassen sich in ihrem Anschnallverhalten zu
einem normgerechteren Verhalten ändern, setzt sich also fort.

Die Anzahl der festgestellten Verstöße unter Einfluss von Alkohol
bei der Teilnahme am Straßenverkehr ist im Jahr 2016 um 5,2 Prozent
auf insgesamt 3.648 gesunken. (2015: 3.848). Eine deutlich steigende
Tendenz ist bei den „Drogenkontrollen“ festzustellen. Mit 1.405
Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenanzeigen wurden insgesamt 10,9
Prozent mehr Strafanzeigen bzw. Ordnungswidrigkeiten-anzeigen in
diesem Deliktsfeld zur Anzeige gebracht. Der Grund für die starke
Zunahme liegt jedoch nicht unbedingt an gestiegenem Drogenkonsum,
sondern an den Kontrollen durch die Polizeibeamten, die in diesem
Bereich speziell geschult sind.

„Wichtigste polizeiliche Leitlinie ist auch zukünftig ein
konsequentes Vorgehen gegenüber Rasern, Dränglern und anderem
verkehrsgefährdenden Verhalten, insbesondere bei Alkohol und Drogen
am Steuer und die Nutzung von Smartphone und Tablets während der
Fahrt. Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrskontrollen bleiben
Schwerpunkt polizeilicher Arbeit“, fasst Innenminister Caffier
zusammen. „Die Ablenkung vor allem durch Smartphones ist zu einer
regelrechten Seuche geworden. Keine Mail, kein Chat, kein Anruf ist
ein Menschenleben wert. So klar den Verkehrsteilnehmern aber auch
sein mag, dass das Smartphone am Steuer verboten und gefährlich ist:
Jedes Mal, bei dem nichts passiert, jedes Mal, bei dem man nicht von
der Polizei erwischt wird, führt nur dazu, dass beim nächsten Mal
wieder getippt oder telefoniert wird. Wie bei der Bekämpfung von zu
hoher Geschwindigkeit setzen wir auch bei der Ablenkung neben der
Aufklärung und Prävention auf empfindliche Strafen. Deshalb müssen
Polizei und Justiz Regeln bekommen, die der Technik von heute nicht
hinterherhinken.“

Auch die Arbeit der Verkehrsunfallkommissionen ist von
wesentlicher Bedeutung, denn Grundlage der Verkehrskontrollen sind
u.a. die örtlichen Unfallauswertungen und Analysen zum Unfallhergang.
Neben den repressiven Maßnahmen wird die Landespolizei auch in
Zukunft den Ansatz der Vorbeugung in ihrer Verkehrssicherheitsarbeit
verfolgen. So sollen die Präventionsprojekte für junge Fahrerinnen
und Fahrer sowie auch für ältere Verkehrsteilnehmer ausgeweitet
werden. Einen besonderen Stellenwert wird auch weiterhin das
Präventionsprojekt „CrashKurs MV“ haben, das seit 2013 erfolgreich
angeboten wird.

Die Verkehrssicherheitsarbeit der Landesregierung ist darauf
ausgerichtet, das Risiko für Leib und Leben trotz steigenden
Verkehrsaufkommens zur verringern und Unfälle weitgehend zu
verhindern. Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Ziele des
nationalen Verkehrssicherheitsprogramms des Bundesministeriums für
Verkehr, wonach die Getötetenzahlen bis 2020 um 40 Prozent gesenkt
werden sollen.

Rückfragen bitte an:

Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern
Pressestelle
Michael Teich
Telefon: 0385/588-2008
E-Mail: michael.teich@im.mv-regierung.de
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