Voll trendy: Der eigene Podcast

Immer mehr Mitmenschen entpuppen sich als ausgesprochen lesefaul. Meist vergnügen sie sich mit YouTube-Videos. Aber es gibt auch einen aktuellen Trend hin zum Anhören von Audio-Inhalten. Als ich ich das mitbekam, war mir schnell klar: Ich will meinen eigenen Podcast haben!

Die Strategie

Zunächst einmal habe ich mir einen Überblick darüber zu verschaffen versucht, welche Podcasts momentan besonders populär sind bzw. für mich als Beispiel dienen könnten und was dort genau angeboten wird. Innerhalb meines Spiegel-Online-Abos wurden mir schon seit einiger Zeit vielfach die Audio-Versionen von Artikeln angeboten. Dort wurden aber jeweils nur die Inhalte vorgelesen.

Mein Interesse weckten eher speziell als Podcast produzierte Beiträge, zum Beispiel von Sascha Lobo. Meine latent vorhandene Begeisterung für den Autor wurde aber sofort gebremst, als er durchweg mehr als eine halbe Stunde meiner Zeit für jeden Beitrag haben wollte. Also war schon klar: Ich würde mich mit kürzeren Episoden (so nennt man eine einzelne Podcast-Folge auch) begnügen.

Und dann musste ich mir auch überlegen, mit welchen Inhalten ich meine Zuhörer beglücken will. Ein absoluter Renner ist derzeit der vom NDR betriebene Podcast von Christian Drosten. Für mich eine ungeeignete Vorlage, weil ich weder Virologe bin noch auf irgend einem anderen Gebiet derartiges Spezialwissen anzubieten habe 🙁

Als Neu-Podcaster würde ich folglich also nur auf mein fundiertes Halb- und Nichtwissen zurückgreifen können, das sich andererseits jedoch über alle nur denkbaren Themenbereiche des menschlichen Daseins erstreckt. Das ist doch was, dachte ich mir.

Und somit war klar: Ich würde über alles sprechen, das mir am Herzen liegt, über Politik, Gesellschaft, Sport, Wirtschaft, Klatsch, Kultur usw. usw. Ich nahm mir vor, bedarfsweise ernsthaft mit meinen Anliegen umzugehen oder auch humorig – je nachdem, was mir angemessen erscheint. Konzept steht, Problem gelöst!

Die Technik

Wie sich mein Vorhaben technisch umsetzen lassen würde, erfuhr ich aus verschiedenen Quellen im Internet. Was man braucht, ist neben einem Host als Heimat für die Audio-Dateien natürlich entsprechende Hard- und Software, also ein Mikrofon und ein Programm zur Audio-Bearbeitung.

Obwohl für die Erstellung der Sprachdateien eigentlich die Aufnahme-Funktion eines Smartphones ausreicht, kaufte ich ein Mikrofon, um von Anfang an eine ansprechende Tonqualität zu erreichen. Die mir von verschiedenen Websites empfohlenen Profi-Mikrofone kosten aber allesamt jeweils etliche Hundert Euro. Ich entschied mich dann für das AVerMedia USB Mikrofon AM310, das ich bei Amazon für knapp 75 € erstand.

Noch nach den ersten Versuchen war ich überzeugt: Dieses Mikrofon ist für meine Ansprüche völlig ausreichend. Was die Klangwiedergabe angeht, hatte ich an der Wiedergabe meiner Stimme nichts auszusetzen. Das Mikrofon wird einfach in den USB-Stecker eingestöpselt, und in meinem Windows-System stelle ich die Quelle und die Wiedergabe auf das USB-Mikro ein. Am Mikro selbst lässt sich noch ein Kopfhörer anschließen, über den man die Ergebnisse überprüfen kann. Hierfür reicht ein einfaches Ohrhörer-Paar, wie es z. B. fast jedem Smartphone beiliegt.

Nun braucht man ja für ein vernünftiges Tonstudio auch noch einen „Galgen“, also einen Schwenkarm, mit der Man das Mikro in die richtige Position bringen und auch einmal zwischen sich selbst und einen eventuellen Interview-Gast positionieren kann. Zuerst bestellte ich mir das Trust GXT 252 Emita Plus Streaming USB Mikrofon. Hierbei handelte es sich um ein Mikrofon mit Gelenkarm, um den es mir eigentlich ging. Dieses Ding war aber so wackelig und billig zusammengebaut, dass ich es zurücksandte und mir den Preis von rund 110 € erstatten ließ.

Als nächstes versuchte ich es mit dem Røde PSA1 Gelenkarmstativ. Und diesmal hatte ich Glück, denn dieser Gelenkarm ist wesentlich stabiler und funktioniert genau wie erwartet.

Ich habe ihn sofort mit dem beiliegenden Befestigungsmaterial an dem Schreibtisch angebracht, der nun das Zentrum meines Tonstudios ist. Die rund 75 € betrachte ich als gut angelegt.

Die Software

Ich habe auf meinem Notebook verschiedene Audiobearbeitungs-Programme getestet und bin dann bei der kostenlosen Software Audacity gelandet. Das Programm ist weitgehend intuitiv zu bedienen, und ich kam, obwohl ich bisher keine Erfahrungenin diesem Bereich hatte, auf Anhieb gut zurecht.

Die Aufnahme erfolgt auf zwei Tonspuren in Stereo. Weitere Tonspuren lassen sich bequem erzeugen. Auf ihnen hinterlege ich Hintergrundmusik, Geräusche und Jingles.

Apropos Jingles. Nicht lizenz-gebührenpflichtige Musikstücke gibt es zum Beispiel in der Audio-Mediathek von Youtube. Auch etliche andere Portale bieten lizenzfreie Musik an. Und die braucht man, denn ansonsten ist jeder Jingle, jeder Glockenton oder was auch immer einen Podcast interessanter machen soll, käuflich zu erwerben.

Bei der Benutzung von Audacity ist zu beachten, dass das fertige Produkt, das ich zuerst immer als „Projekt“ speichere, dann noch in ein gängiges Format zu exportieren ist (->Datei ->Ton exportieren). Ich verwende dafür das MP3-Format, weil das von den meisten Audio-Playern unterstützt wird.

An dieser Stelle folgt dann viel Ausprobieren und jede Menge Bastelarbeit. Das kann, vor allem am Anfang, durchweg schon mal einen Nachmittag kosten, um als Ergebnis eine Fünf-Minuten-Episode zu erhalten, die man sich vor lauter Begeisterung rund zweitausendmal anhört. Wenn’s einigermaßen gut gegangen ist, zumindest.

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