Donnerstag, 17. Mai 2012 | Internetzeitung
 
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Whitney

Der tragische Tod einer Diva

USA (24PR-ebb). Hinterher ist die Betroffenheit immer groß. «Wir haben jemanden aus unserer Familie verloren», wie der Moderator bei der Grammy-Verleihung so schön und so völlig falsch bemerkte. Ein kurzes Gebet und dann business as usual, wenn man so will. Eine Sängerin versuchte sich mehr schlecht als recht an Whitneys größtem Hit und das war es dann.

Diesen «plötzlichen» Todesfällen von Popstars ist zu Eigen, dass ausgiebig nach den Umständen des Ablebens geforscht wird, quasi, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Der Niedergang ist wohl eine kurze Schlagzeile wert, aber Ursachenforschung wird nicht betrieben. Ich erinnere an die Krokodilstränen bei Amy Winehouse, Michael Jackson, oder auch Robert Enke. Bei diesen völlig überraschenden Todesfällen, habe ich bereits einen ähnlichen Nachruf geschrieben. Wobei mir auffällt, was für ein schreckliches Wort «Nachruf» doch ist. In ihm drückt sich die ganze Vergeblichkeit im Angesicht des Todes aus.

Die Götter treiben ihr grausames Spiel mit denjenigen, die sie vor allen anderen ausgezeichnet haben. Schönheit gepaart mit einer Stimme, die bis heute ihres gleichen sucht, reichlicher Segen bringt reichlichen Fluch, möchte man meinen.

Jetzt kann man das Schicksal dafür verantwortlich machen, sich kopfschüttelnd zurück lehnen und darauf verzichten nachzufragen, was diese Häufung von gescheiterten Existenzen über die Musik- und Filmindustrie aussagt.

Eben genau das, dass sie nichts weiter ist als eine Industrie, der jede Mitmenschlichkeit abhanden gekommen ist. Wir sind es, nicht irgendwelche missgünstigen Götter, die Stars zu Stars machen und sich anschließend neiderfüllt an deren Niedergang zu weiden.

Erinnert sich noch jemand an Karen Carpenter? Haben wir uns je gefragt, warum Agnetha der Gruppe ABBA sich so gründlich aus dem Musikgeschäft(!) zurück zog. Von den Beatles hat auch nur Paul McCartney so richtig überlebt.

Was ist mit Elvis? Kann sich noch jemand an die strunzbesoffenen Auftritte von Johnny Cash erinnern?

Wer nicht mehr abliefert, ist geliefert.

Aber, was ist denn mit all denjenigen, die Heil bleiben in dieser Branche(!)? Nennt mir zehn wahrhaft Große, die unbeschadet daraus hervor gingen, und ich lasse den Zwischenruf gelten.

Aber ich komme ganz von Whitney Houston ab, der ich, was immer das auch wert sein mag, an dieser Stelle meine Hochachtung aussprechen möchte, denn ich habe noch keine Frau so singen hören.

Diese Hochachtung verdient sie nicht trotz, sondern auch gerade wegen ihres Scheiterns, wobei dahin gestellt sein mag, ob dieses Scheitern selbst verschuldet war.

Tags: Whitney Amy Michael Robert Elvis Johnny Kultur Glosse Business Musikindustrie

 
 
 

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