Visionen und Erinnerungen - Laurie Andersons "Delusion"
Kassel (24PR-kh). "Delusion" wird sowohl mit "Irreführung" wie mit "Wahn" übersetzt. Welche Bedeutung Laurie Anderson für ihre Performance, die sie am Wochenende anlässlich des fünfzigsten Geburtstags des documenta Archivs im Kasseler Staatstheater aufführte, im Blick hatte, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das Publikum war jedenfalls von der eineinhalbstündigen eindrucksvollen Installation aus Musik, skurrilen Versen und berauschenden Bildern offensichtlich stark beeindruckt.
Die Künstlerin, die zwei Mal zur Documenta eingeladen war (D6 und D 8), erzählt in ihrer Performance Geschichten aus Traumwelten, entwickelt Visionen und irritiert mit einer Mischung aus irrreal Möglichen und real Unvorstellbaren. Zum Teil mit ihrer unverfälschten glockenklaren weichen Stimme, dann wiederum mit verfremdeter, männlicher Stimme, untermalt von Geigenklängen und elektronischen Sound fordert sie alle Sinne ihrer Zuhörer und -schauer heraus.
Eine Vorstellung, die perfekt zu diesem besonderen Jubiläum passte. Gut ein Jahr, bevor die 13. Documenta in Kassel ihre Pforten öffnen wird, würdigten Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann und Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, die Verdienste des documenta Archivs. Ohne das Wirken dieses Archivs wäre vieles von dem, was sei der ersten Documenta Arnold Bodes 1955 inzwischen in zwölf Ausstellungen der bedeutendsten Werkschau zeitgenössischer Kunst gezeigt wurde, der Nachwelt nicht mehr oder nur noch zum Teil verfügbar.
Inzwischen hat das documenta Archiv auch den Schritt in das digitale Zeitalter absolviert. Mit dem anlässlich seines Jubiläums vorgestellten Projekt "mediaartbase.de" wurden zahlreiche bisher kaum archivierter künstlerisch wertvoller Arbeiten restauriert und konserviert. Gemeinsam mit seinen Projektpartnern ZKM Karlsruhe, dem European Media Art Festival Osnabrück und dem Kasseler Dokumentar- und Videofest verfolgt das documenta Archiv das Ziel, ausgewählte Bestände aufzuarbeiten und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darunter auch, und damit schließt sich der Kreis, Arbeiten von Laurie Anderson.
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