Sonntag, 13. Mai 2012 | Internetzeitung
 
Zum Autorenprofil von Klaus P. Lewohn

«Kannste mal sehen»

Die Kolumne von Klaus P. Lewohn

Sprachfehler helfen

Hochdeutsch unerwünscht - Dialekt plus Sprachfehler gut für Politiker-Karrieren

Viersen (24PR-kpl). Einem Fußball-Star kann man's noch verzeihen - sind doch die Erwartungen an sonstige Befähigungen eher gering. So lösen dann verbale Ergüsse, meinetwegen von Loddarmaddäus oder Lukas Podolski, im Allgemeinen Heiterkeit aus, während Gleiches aus Politikermund eher Kopfschütteln und Unverständnis hervorruft. Bei mir zumindest.

Politiker, die keinen einzigen Halbsatz zustandebringen, ohne ihn mit ihrem speziellen Heimatdialekt einzufärben, dürfen nicht auf meine Nachsicht hoffen. Besonders schlimm wird es, wenn sich zu dem Unvermögen, halbwegs brauchbares Hochdeutsch in die Mikrofone zu sprechen, noch ein individueller Sprachfehler gesellt. Dann werden Politiker-Absonderungen mitunter schon mal richtig peinlich.

Jürgen Rüttgers (CDU) zum Beispiel zischelte sich fünf Jahre lang als Ministerpräsident durch Nordrhein-Westfalen, konnte kein «S» aussprechen, ohne die ersten drei Reihen seiner Zuhörer vollzuspucken. Dessen ungeachtet nutze er jede sich bietende Interview-Gelegenheit und zeigte sich so oft es nur irgendwie ging in Fernseh-Talkshows, um ein Millionen-Publikum an seiner Sprachbehinderung teilhaben zu lassen. Oder, äh, wie hieß er noch? Äh, Stoiber, äh, Edmund, genau, von der CSU. Weil bei ihm noch eine Fehlhaltung des Köpfchens dazukam, hatten die meisten vor allem Mitleid mit ihm; gelacht hat dann später kaum noch jemand, wenn er sich so verhaspelte, dass es selbst nicht mehr wusste, was er gerade gesagt hatte. Oder sagen wollte.

Und natürlich ist da auch Roland Profalla (CDU), dem mal endlich jemand raten sollte, sich besser seine Nasen-Polypen entfernen zu lassen. Einstweilen quäkt und nasalt er sich durch alle Talk- und Diskussionssendungen. Womöglich empfindet er das als sein ganz persönliches Markenzeichen. Und keiner sagt ihm, wie albern sich das anhört.

Der absolute Star unter den politischen Sprachkünstlern ist aktuell aber unser Wirtschaftsminister. Was Rainer Brüderle (FDP) so abliefert, ist Kabarett vom Feinsten. Wenn er uns die Vorzüge des "Waxumschleunugsetz" erklären will, müsste die Tagesschau eigentlich den Text als Untertitel einblenden, mindestens aber auf Tafel 150. Beim ersten Mal Hören versteht man jedenfalls nichts. Keiner weiß, wie er's macht. Lässt er einfach jede zweite Silbe weg, oder verschluckt er nur jede dritte? Das System ist absolut undurchschaubar, es muss ein anderer Trick sein. Wenn das so gewollt ist, ist die Masche genial.

Wenn nicht, auch. Weil nämlich keiner mehr mitbekommt, welche Gräueltaten der Mann in Wahrheit mit seinem Gebrabbel verschleiert. Und weil seit einiger Zeit Spitzenpositionen eine derartige Sonderbegabung geradezu bedingen. Das bedeutet: Sprachfehler sind eindeutig karrierefördernd. Auf mittlere Sicht wird dieser Umstand den Berufsstand der Logopäden ausrotten. Welches Elternpaar möchte schon, dass der eigene Nachwuchs später in seinem Fortkommen dadurch beschränkt wird, dass er nur wohlartikuliertes Hochdeutsch zustande bringt? Das können «verantunbwusste Erziungsbrechte» wirklich nicht wollen.

Tags: Dialekt Brüderle Rainer Brüderle Rüttgers Karriere Talksow Vermischtes Kolumne Politiker Sprachfehler

 
 
 

Leserkommentare

Noch keine Kommentare vorhanden - schreiben Sie doch einfach den ersten.


Kommentare im Leserbereich

Ihre Meinung ist gefragt.


Im Leserbereich können Sie Ihre eigene Meinung äußern - oder auch die Kommentare anderer Leser einsehen.

Leserbereich »
 
 
Jetzt Autor werden und eigene Artikel schreiben

Schreiben Sie gern?

Dann machen Sie doch einfach mit, werden Sie Autor für 24PR.de und OPEN-REPORT.de.

Mehr Infos » oder gleich anmelden »
 
 
 
Mehr zu 24PR.de

Internetzeitung, Presseportal, Polizeiberichte - alles in einem.
Mitmachen - Autor werden.
Mehr Infos »

Hilfe & Support

Bedienung, Suchfunktionen usw.
Details für Leser und Autoren.

Mehr »

Kontakt & Impressum
Nutzen Sie das Kontaktformular für Ihre Nachricht an 24PR.