Donnerstag, 17. Mai 2012 | Internetzeitung
 
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«Kannste mal sehen»

Die Kolumne von Klaus P. Lewohn

Sommertheater mit Zweitbesetzung

Bayreuth, Südtirol, Uckermark - Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Urlaub. - Foto: ddp/Michael Gottschalk
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Nicht alle sind in Urlaub - Sommerloch gut gefüllt

Viersen (24PR-kpl). Eigentlich ist ja Sommerlochzeit. Will sagen: Nix los, alle in Urlaub. Trotzdem werden täglich neue Säue durch die Dörfer getrieben: Rente mit 67, 70 - oder gar nicht? Wehrpflicht abschaffen - ja oder nein? Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängern, bis die Dinger endlich von selbst auseinanderfallen? Und dann immer neue Enthüllungen zum Finanzgebaren der Linksparteiler. Nicht zu vergessen das Gerangel um den CDU-Vorsitz in NRW.

Ich frage mich, warum da eigentlich so viele so furchtbar aktiv sind. Es sind doch schließlich Parlamentsferien. Der von und zu Guttenberg ist offenbar nicht auf und davon dieses Jahr. Frau Künast macht keinen Urlaub. Der Röttgen ist aber in Kärnten. Das macht nichts, weil er von da aus seine Truppen in Richtung Laschet schickt, der wiederum nicht in Urlaub fahren kann, weil er sich gegen die permanenten Attacken der Röttgen-Söldner zur Wehr setzen muss.

Überhaupt nie Urlaub machen die Verbände von Arbeitgebern, Industrie, Mittelständlern und sonstigen Leuten mit Geld. Denn die müssen immer auf dem Sprung sein, sofort zu agieren, wenn es nötig wird. Wenn, zum Beispiel, die Kunde von einem «XL-Aufschwung» die Runde macht, ist es dringend nötig, sofort lautstark darauf hinzuweisen, dass die Gewerkschaften sich am Riemen reißen sollen mit ihren Lohnforderungen. Damit keine Arbeitsplätze in Gefahr gearten. Das würden die natürlich auch machen, wenn die Konjunktur schwächeln würde. Eben, damit keine Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Wenn die Wirtschaft ganz normal vor sich hinschnurrt, wird in regelmäßigen Abständen profilaktisch ermahnt. Aus demselben Grund. Darum kann von denen keiner Urlaub machen. Sonst könnte es ja passieren, das irgendwelche tolldreisten Gewerkschaftler mal versuchen, einen Teil der auf breiter Front kräftig gestiegenen Unternehmensprofite für die Arbeitnehmer zu reklamieren, die sie ja eigentlich erwirtschaftet haben. Das würde nämlich Arbeitsplätze gefährden. Und wer will das schon? Das System funktioniert seit Jahrzehnten reibungslos.

Die einzige, von der im Sommerloch nichts zu hören ist, ist die Kanzlerin. Jetzt war sie fünf Tage zum Musikhören in Bayreuth, danach auf in den Urlaub nach Südtirol, später noch ins Wochenendhaus in der Uckermark. Mindestens drei Wochen hat sie Ruhe.

Wir auch. Vor ihr, meine ich. Aber, mal ehrlich: Wäre das wirklich so schlimm, wenn man auch mal etwas von ihr hören würde, wenn sie nicht gerade die Neujahrsansprache hält? Vielleicht sogar mal so etwas wie einen klaren Standpunkt zu einem aktuellen Problem?

Aber da wird wohl nichts draus. Begnügen wir Daheimgebliebenen oder schon Zurückgekommenen uns also mit dem dargebotenen Sommertheater der Zweit- und Drittbesetzung.

Tags: Sommerloch Sommertheater Politik Merkel Röttgen Guttenberg Aufschwung Vermischtes Kolumne Urlaub

 
 
 

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