Freitag, 11. Mai 2012 | Internetzeitung
 
Zum Autorenprofil von Klaus P. Lewohn

Kommentar von Klaus P. Lewohn

Piraten entern liberale Themen

Auf Anhieb in den Berliner Landtag - Piratenpartei will Themen-Vielfalt forcieren - Logo: www.piratenpartei.de
Vergrößern
Original anzeigen

Nach dem spektakulären Erfolg in Berlin kündigt die Ein-Thema-Partei mehr Vielfalt an

Viersen (24PR-kpl). Es erinnerte schon einiges an den Start der Grünen Anfang der 1980er Jahre: Von der Politkonkurrenz mild belächelt, keineswegs ernst genommen, oft gar ignoriert, schlichen sie sich vorsichtig heran, um jetzt mächtig aufzutrumpfen. Der gestrige Erfolg der Piratenpartei schlug ein wie eine Bombe. Ihre Stimmen räuberten die Piraten übrigens in allen politischen Lagern, am meisten bei den Grünen, und sie mobilisierten nach ersten Berechnungen mehr als 20 000 Nichtwähler, bewirkten damit auch einen Anstieg der Wahlbeteiligung gegenüber der letzten Landtagswahl in Berlin.

Senstionelle 8,9 Prozent, aus dem Stand geraus, hatten auch die Piraten selbst nicht erwartet. Denn mit fünfzehn Kandiaten hatten sie gerade eben mal so viele aufgestellt, wie jetzt in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt wurden. Das wird ihnen sicher nicht noch einmal passieren.

Dabei war die Piratenpartei bislang wirklich nicht als ernsthafte politische Macht wahrzunehmen. Das lag vor allem daran, dass sie sich auf reine Internet-Themen beschränkte wie Datenschutz, Urheberrechts- oder Patenrechtreformen. Nach dem fulminanten Erfolg von gestern soll das anders werden.

Die Piraten, deren Personal bei den meisten Bundesbürgern noch recht unbekannt ist, kündigten an, einen neuen Politikstil einführen zu wollen. Sie wollen sich auch für mehr Bürgerbeteiligung einsetzen und werben für größere Transparenz. Wie weiland die Grünen, sprechen sie vor allem junge Wähler an. Gerade den Jungwählern sind Dinge wie eine Aufweichung des Urheberschutzes für Online-Inhalte oder eine DRM-Reform (Digitale Rechteverwaltung) wichtig.

Wer in den Piraten nur eine vorübergehende Zeiterscheinung sieht, unterliegt vermutlich einem Irrtum. Denn den Piraten werden von ihren Anhängern Eigenschaften zugeschrieben, die den etablierten Parteien nach Meinung vieler anscheinend abhanden gekommen sind, wie Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit oder auch Frische. Wie gesagt, alles sieht aus nach einem dunkelgrünen Déjà-vu.

Es ist den Piraten durchaus zuzutrauen, sich auch in weiteren Landtagen festzusetzen, bei den nächsten Bundestagswahlen erfolgreich zu sein, dadurch vielleicht sogar der FDP dazu zu verhelfen, ihr Wahlergebnis demnächst öfter aus der Spalte "Andere" extrahieren zu müssen. Das setzt allerdings voraus, dass die neue Partei auch für die etwas ëlteren wählbar wird, was wiederum eindeutige Positionierungen in allen wichtigen Politikbereichen unabdingbar macht. Lassen wir uns überraschen.

Tags: Landtagswahl Berlin Piratenpartei Internet Datenschutz Urheberrecht liberal FDP Politik Kommentar Parteien Piraten

 
 
 

Leserkommentare

Noch keine Kommentare vorhanden - schreiben Sie doch einfach den ersten.


Kommentare im Leserbereich

Ihre Meinung ist gefragt.


Im Leserbereich können Sie Ihre eigene Meinung äußern - oder auch die Kommentare anderer Leser einsehen.

Leserbereich »
 
 
Jetzt Autor werden und eigene Artikel schreiben

Schreiben Sie gern?

Dann machen Sie doch einfach mit, werden Sie Autor für 24PR.de und OPEN-REPORT.de.

Mehr Infos » oder gleich anmelden »
 
 
 
Mehr zu 24PR.de

Internetzeitung, Presseportal, Polizeiberichte - alles in einem.
Mitmachen - Autor werden.
Mehr Infos »

Hilfe & Support

Bedienung, Suchfunktionen usw.
Details für Leser und Autoren.

Mehr »

Kontakt & Impressum
Nutzen Sie das Kontaktformular für Ihre Nachricht an 24PR.