«Integration und Religion»
Die Kolumne von Dr. Abdel-Hafiez Massud
Islam oder Schwert!
Der Islam, die Gewalt und die vielen Mythen
Berlin (24PR-am). Seit der Islam aus zukunftsorientierten Gründen ganz oben auf die Agenda der deutschen Bundesregierung gesetzt wurde, herrscht jenseits der Sachlichkeit eine Art Hochsaison des Opportunismus auf dem Markt der öffentlichen Meinung.
Politikerinnen und Politiker auf Landesebenen wittern ihre Chance für Polarisierungen gegen den herrenlosen Islam und gegen die lobbylosen Muslime zur Zementierung ihrer Macht oder zur Absicherung der nächsten Landtagswahl. In einem Bundesland ist sogar kürzlich eine eigene Partei dafür gegründet worden. Sie interessieren sich nicht wirklich dafür, das zu realisieren, was Gemeinwohl genannt wird. Sie machen sich darüber gar keine Gedanken, dass es eine inkohärente Politik wäre, inländisch gegen eine religiös bestimmte Gruppierung zu polarisieren und zeitgleich, sich im Ausland für eine Minderheit einer andersartigen religiösen Ausrichtung einzusetzen.
Zielsicher kalkulierende Geldmacher nützen das Thema, um die Polarisierung in ein provokatives Bestseller-Buch zu packen und es im weihevollen Stil einer Patent-Präsentation an die für minderjährig gehaltene Öffentlichkeit zu bringen. Zu dieser Gruppe gehören Talkshow-Gäste, die sich mit dem Etikett Islamexperten allzu gerne ausschmücken. Vertreter dieser Gruppe wollen den Nerv der Stammtische treffen und hoffen auf den ohnehin sicheren Applaus ihrer Klientel. Sie kümmern sich nicht darum, ob sie mit ihrem Handeln nicht doch die Grenzen des Grundgesetzes exhaustiv ausreizen, real 5 Millionen Menschen im Land stigmatisieren, ihre Integration in allen Lebensbereichen erschweren oder den Nationalfrieden indirekt gefährden.
Muslime mit islamischer Biographie oder früherer islamischen Biographie eilen mit einer seltenen Schnäppchenmentalität öffentlich, um den Islam nebst Muslimen pauschal anzugreifen, als wäre dies ein erfreuliches Geschenk an eine willige Mehrheitsgesellschaft. Man wolle ja nur den Deutschen den Islam verständlich machen, argumentieren die vermeintlichen Wissens-Lieferanten, während in ihrem Sprachgebrauch die programmatische Herabwürdigung, die ständige Degradierung und die grundgesetzwidrige Verachtung der Muslime sowie die rechtlich relevante Tatsachenverfälschung das raumfüllende Moment ist. Sie kümmern sich nicht darum, dass einer, der gegenüber sich selbst nicht grundsatztreu ist, bei allen anderen, auch bei der deutschen Gesellschaft, keine wirkliche nachhaltige Glaubwürdigkeit hat. Die deutsche Politik hat gute Erfahrungen mit dieser Gruppe gesammelt und hat sich von ihr immer wieder souverän verabschiedet. Diese 3. Gruppierung ist eine Art zwingend kurzlebiges Sonderangebot auf diesem Markt. Vertreter dieser Gruppe und deren Fans in den Medien können zu den akuten Nationalfragen der Zukunft nicht wirklich substantiell beitragen. Sie sind, ähnlich ein Flohmarkt zur Wirtschaft, schmerzfrei verzichtbar: einfach Nice to have.
All diesen Gruppen gemeinsam aber ist die willkürliche Semantisierung des Begriffs Islam. Jede dieser Gruppen startet von hier.
Für die Politiker gibt es einen geographisch und zeitlich bestimmbaren Islam. Deshalb haben wir in den letzten Wochen einen Politiker gehört, der den EuroIslam des 21. Jahrhundert etablieren will.
Für die Islam-Experten ist der Islam gar keine Religion, sondern eine menschenrechtsfeindliche Ideologie, die auf Landgewinn abzielt.
Für die 3. Möchte-Gerne-Martin-Luther-Gruppe sei der Islam untergangsgeweiht, anti-demokratisch und mit dem Schwert verbreitet worden. Die Deutschen sollten daher aufpassen, dass der Islam hier keinen Fuß fasse, da es für sie sonst nur die Alternativen gibt: Islam oder Schwert.
Somit liegen alle Begriffsbestimmungen der Vokabel Islam eigentlich inhaltlich nah und lässt all diese Gruppen wie die Spieler eines Konzertes erscheinen. Diese Macher finden es bequem, dass der Islam mit Ergebenheit, Unterwerfung und Anti-Demokratie in semantische Verbindung gebracht wird.
Dass dies nicht den Tatsachen und der Richtigkeit entspricht, interessiert sie ja nicht. Der Begriff Islam bedeutet im authentischen islamischen Konzept jedoch, die eigenen Handlungen auf das Wohlgefallen Allahs auszurichten, um den Frieden mit Gott zu erlangen. Es gibt im Deutschen dafür keine entsprechende Vokabel, welche diese beiden Dimensionen wiedergeben kann. Deshalb muss die Vokabel Islam einfach so stehen. Die Ausrichtung der eigenen Handlungen auf das Wohlgefallen Allahs setzt unbedingt den ungeschmälert freien Willen voraus. Jeder, der Muslim werden will, soll dies nicht auf einer Konferenz machen, sondern mit einem Organ in sich selbst: mit dem Herzen. Und Allah ist der einzige Richter des Herzens, weil ER mit allen Regungen des Menschenherzens vertraut ist, bevor es überhaupt zu einer Regung kommt. Wenn die Annahme des Islams an die Ergebenheit und die Unterwerfung durch das Schwert mehr oder weniger, direkt oder indirekt gebunden wäre, hätte es jeder, der überleben und zugleich kein Muslim werden will, äußerst leicht. Unter dem Schwert braucht er nur zu sagen, ich bin Muslim, ohne innerlich Muslim zu sein. Aber das will Allah nicht.
Und deshalb wurde der Grundsatz des freien Willens im Koran verankert. Dort heißt es: Es gibt kein Drängen zur Annahme eines Religionsglaubens. Islam mit Schwert oder Unterwerfung in Verbindung zu bringen, ist sehr obszön, unlogisch und geschmacklos. Keiner kann mich zwingen, ihn zu lieben, auch wenn er so viele Schwerter in der Hand halten mag, da Liebe eine unsichtbare Handlung des Herzens ist.
Somit sind der freie Wille des Herzens des Menschen und der Friede die unverzichtbaren Brücken, um Muslim zu werden.
Ergebenheit und Unterwerfung als militärische Vokabeln haben im Gegenteil aber das Ausschalten des freien Willens zur Voraussetzung. Man ergibt sich oder unterwirft sich aber auch einer Siegermacht, einer Siegerperson und nicht dem Schöpfer. Mit seinem Schöpfer hat keiner eine militärische Beziehung. Der Islam hat seiner Natur nach weder mit Ergebenheit noch mit Unterwerfung zu tun. Nun wo bleibt die Liebe Allahs zu dem Geschöpf, zu uns Menschen. Die bedingungslose Liebe Allahs zu uns Menschen ist genau der Raum, in dem uns die Wahlfreiheit gegeben wird, sich für oder gegen Allah zu entscheiden.
Somit beruht der Begriff Islam in seinem authentischen semantischen Umfang auf diesen drei Elementen: Liebe Allahs zu uns Menschen, Freiheit und Frieden.
Der Islam verlangt zudem von keinem Menschen, dass er seine Handlungen auf das Wohlwollen und Wohlgefallen eines Menschen oder eines menschlichen Königs ausrichtet, sondern einzig und allein Allahs. Dabei hat der Mensch im Islam auch keinerlei Mittler zu Allah. Die Kommunikationsform zwischen dem muslimischen Menschen und Allah ist die direkte Zwiesprache. Natürlich kostenlos. Jederzeit ohne Termin. An jedem Ort ohne Vorabreservierung.
Hat der Islam dann kein Interesse daran, die eigene Gemeinde zu vergrößern?
Natürlich hat er, aber nur insofern Menschen mit freiem Willen sich für ihn entscheiden. Muslime können somit auf keinen Fall jemand zwingen, Muslim zu werden, aber sie können und dürfen über den Islam informieren. Der Koran hat dieses Unterrichtungsprinzip wie folgt formuliert: Lade zum Weg Deines Herrn ein mit weisen Worten und in gütigem Predigerton.
Wer mit der Fülle des Herzens den Islam annimmt, findet den sonderbaren Frieden mit Allah. Wer diesen Frieden findet, erlangt die Fähigkeit, in Frieden mit sich selbst zu leben. Wer den Frieden mit Allah und mit sich selbst hat, der hat den Frieden mit seiner Umgebung und seiner Gesellschaft.
Liebe, Freier Wille und Frieden das ist, was wir, Muslime, mit dem Begriff Islam authentisch verbinden. Wie jeder weiß, haben diese beiden Werte weder eine geographische noch eine zeitliche Grenze.
Wer einen ehrlichen Islamdiskurs in Deutschland führen will, wird nicht umhin kommen, dies künftig zu beachten.
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