Kommentar von Kurt U. Heldmann
Die immer gleichen Rituale - ein letztes Mal?
Kassel (24PR-kh). Zum letzten Mal, so die Ankündigung der Atomindustrie, werden an diesem Wochenende aufbereitete Brennstäbe deutscher Atomkraftwerke aus La Hague nach Gorleben transportiert. Doch weder der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie noch die angekündigte bundesweite Suche nach einem Endlagerstandort hindern die Castorgegner daran, die gewohnten Rituale abzuspulen.
Gleisblockaden, Kletteraktionen, Schotter ausgraben, Brandanschläge auf Signalanlagen und Polizeiautos auf der einen, Wasserwerfer, Schlagstock, massive Absperrungen auf der anderen Seite. Wahrscheinlich sind entlang der Transportstrecke mehr Polizisten als Demonstranten unterwegs. Sicher hat die Antiatombewegung mit ihrer jahrzehntelangen Beharrlichkeit den entscheidenden Anteil am politischen Aus dieser unbeherrschbaren Technologie. Die tragischen Katastrophen in der Ukraine, den USA und Japan haben den Ausstieg noch beschleunigt. Doch die politischen Fehlentscheidungen der sechziger und siebziger Jahren haben heute ihre Folgen.
Der auf Jahrtausende strahlende hochgiftige Müll aus den stillgelegten und den noch aktiven deutschen Atomkraftwerken muss irgendwo hin. Die erfolgreiche Verhinderung geplanter Wideraufbereitungsanlagen im Bayerischen Wald und in Nordhessen hat zur Konsequenz, dass er nach Frankreich, aber auch wieder zurück geschafft werden muss. Eine Alternative dazu können auch die Atomkraftgegner nicht nennen. Selbst Jürgen Trittin hatte, damals noch verantwortlicher Umweltminister, seine Parteifreunde aufgefordert, auf Demonstrationen zu verzichten. Doch, wie schon angemerkt, das hindert sie nicht.
Sicher ist es für die Menschen im Wendland alles andere als angenehm, dass sie Jahr für Jahr Castoren vor die Tür gestellt bekommen, ohne zu wissen, wo der Atommüll irgendwann landen soll. Doch keine Transporte würden nur bedeuten, den deutschen Strahlenmüll in Frankreich zu lassen. Das ist sicher keine Alternative. Leider ist von den Castorstoppern auch keine andere Alternative zu erfahren. Nur ein "Nein!" jedenfalls ist für nichts eine Lösung. Also müssen sich auch an diesem ersten Adventswochenende wieder tausende Polizisten die eisige Nacht um die Ohren schlagen. Dabei gäbe es sicher Wichtigeres zu tu, siehe den zehn Jahre lang unbemerkten Neonaziterror. Statt sich darum kümmern zu können, dürfen sie kletternde Selbstdarsteller von Brücken holen, Schweißkünstler von ihren selbst angelegten Ketten befreien und frierende Sitzblockierer von Straßen und Gleisen schleppen. Das Gute daran ist: Es dürfte wohl das letzte Mal sein.
Tags: Atomenergie Castortransport Endlager Gorleben Politik Kommentar Castortransport Atomausstieg
- Der Inhalt namentlich oder durch Kürzel gezeichneter Beiträge gibt die Meinung des Verfassers wider, nicht die der Redaktion. -





