Kommentar von Arnd H. Moritz
Der Papst zu Besuch in Deutschland
Mehr als ein Dienstbesuch
Berlin (24PR-arhemo). Der Papst ist auf Einladung des Deutschen Bundestages zu Besuch in der Bundesrepublik Deutschland. Er ist mithin Gast des gesamten deutschen Volkes. Dieses wiederum hat sich in Gänze zivilisatorischer Basiselemente zu erinnern. Dazu gehört, dass man einem Gast zuzuhören bereit ist. Zustimmen muss man ihm deshalb nicht.
Viele Bundestagsabgeordnete blieben der Rede des Papstes im Deutschen Bundestag fern. Sie waren nicht bereit zuzuhören. Dieses ist nicht nur eine tiefe Missachtung gastfreundschaftlichen Verhaltens, es ist die Missachtung eines zivilisatorischen Basiselementes.
Natürlich haben Zivilisationsverweigerer ihre populistischen Argumente. Argumente gibt es für alles und jedes. Es geht in der Praxis ziviler Übereinstimmung weniger um Argumente. Es geht um etwas, dessen Deutschland droht verlustig zu werden, es geht um den Konsens fundamentaler Werte.
Unabhängig davon, dass die genannten Abwesenheitsargumente sachlich schlichtweg unrichtig sind, ist eine so motivierte Abwesenheit eines jeden einzelnen deutschen Bundestagsabgeordneten ein Stück Zivilisationsbruch.
Gregor Gysi selbst, Vorsitzender der Partei der Linken, betonte in einer TV-Gesprächsrunde genau dieses. Er könne zwar den Glauben nicht teilen, da er Atheist sei, aber die Kirche sei eine der wenigen Wertevermittlerinnen unserer Gesellschaft. Deshalb werde er zuhören.
Warum sind die Argumente zuhörunwilliger Abgeordneter, die für sich im Wahlkampf einfordern, dass man ihnen zuhören möge, unrichtig?
Da wird gesagt, der Bundestag sei kein Ort für Religionsrepräsentanten.
Der Papst besucht den deutschen Bundestag nicht nur als Religionsrepräsentant sondern als Staatsoberhaupt. Deshalb wird er auch vom Bundespräsidenten und nicht von der Bundeskanzlerin empfangen.
Da wird gesagt, der Bundestag sei ein Ort der politischen Auseinandersetzung. Sie, die Abgeordneten, dürften den Worten des Pontifex Maximus nichts entgegensetzen.
Der Bundestag ist nicht nur ein Ort der politischen Auseinandersetzung. Der Bundestag ist auch eine aktive Stätte des Denkens und Gedenkens. Deutschland hat einen hohen Bedarf, historischer Gegebenheiten zu gedenken. Dies tut er auch. Der Papst ist, wie er in seiner Rede nach der Ankunft betonte, der Begegnungen und des Denkens wegen gekommen. Wer nicht zuhören mag, zeigt Denkunwilligkeit.
Gerade die zivilisationsbrechende Abwesenheit von Bundestagsabgeordneten macht die Anwesenheit eines Vermittlers konstanter Werte in einer Zeit beschleunigten Wandels für das Menschsein aller unabdingbar.
Man mag sich diesen Werten anschließen oder nicht. Zuhören sollte für alle deutschen Volksvertreter eine Selbstverständlichkeit sein beziehungsweise werden.
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