Containern - der neue Mittelschicht-Sport
Mülltauchen, die neue Sportart der Mittelschicht
Deutschland (24PR-ebb). Die Mittelschicht hat eine neue Sportart entdeckt. Sie bringt drei Dinge auf einmal, wie die berühmt-berüchtigten Eier: Spannung, Sparen, Speisen!
Die Rede ist hier von Containern, auch Mülltauchen genannt. Bei Nacht und Nebel schleichen sogar gut situierte Bürger in die Hinterhöfe der Supermärkte - bevorzugtes Ziel sind übrigens Bioläden - und durchforsten die Mülleimer nach Essbarem. Die Ausbeute ist reichlich, sogar der Feinschmecker-was für ein idiotisches Wort, wie mir gerade auffällt- kommt hier auf seine Kosten, denn durchaus noch genießbare Lebensmittel werden bei uns in Deutschland zuhauf einfach weggeworfen.
Da findet sich edles Gemüse, exotisches Obst, der Inhalt ganzer exquisiter Käsetheken wird entsorgt und macht die nächtlichen Höfe der Geschäfte, die sich auf nicht ganz so gängige Lebensmittel spezialisiert haben, zum Gratismarkt für diejenigen, die ihn eigentlich nicht bräuchten.
Während sich die wahrhaft Bedürftigen in den sogenannten Tafeln mit dem Nötigsten versorgen - natürlich auch Restbestände.
Mit Staunen habe ich gestern den Bericht über Containern bzw. Mülltauchen verfolgt. Mir, wie jetzt hoffentlich auch meinen Lesern, stellt sich da doch zwangsläufig die Frage, in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, die es sich leisten kann, mehr als ein Drittel aller Nahrungsmittel einfach so auf den Müll zu werfen?
Für diejenigen, die es noch immer nicht verstanden haben: Haltbarkeitsdaten auf Lebensmittelverpackungen sind MINDESThaltbarkeitsdaten.
Eine Predigt, die ich beinahe täglich meiner Familie halte, wenn der einen Tag über der Zeit befindliche Joghurt angewidert in den Mülleimer wandern soll. In diesem Sinne bin ich schon lange ein Mülltaucher, ohne es gewusst zu haben! Denn alles, was abgelaufen ist, landet in meinem Magen und, da ich bislang noch nicht verendet bin, geht auch keine unmittelbare Gefahr von den Dingen aus, die ich da im Laufe eines Monats so zu mir nehme.
Natürlich kaufe ich bevorzugt Lebensmittel, die bereits abgelaufen sind, besonders, wenn ich meine Brille beim Einkauf nicht dabei habe, was den Argwohn meiner Familie in Bezug auf Haltbarkeitsdaten ins Unermessliche gesteigert hat. Natürlich gebe ich mein Versäumnis nicht zu, da esse ich doch lieber mit stoischer Miene alles auf, dessen Daten ich, aufgrund meiner Fehlsichtigkeit, im Laden einfach nicht entziffern konnte.
Gerade durch diese Taktik bin ich ja gerade «vom Saulus zum Paulus geworden». Denn was ich da esse, ist absolut genießbar und von der Qualität her einwandfrei. Gelegentlich - bitte nicht weitersagen - etikettiere ich sogar um, indem ich das originäre Haltbarkeitsdatum in passender Farbe überschreibe. Zur Altersfehlsichtigkeit kommt ja auch die Altersvergesslichkeit, gerade in Bezug auf die Brille, wenn man das Haus verlässt.
Jedenfalls werde ich mir beim heutigen Einkauf eine richtig gute Taschenlampe besorgen, mehr nicht! Den Wecker werde ich mir auf 2.00 Uhr in der Nacht stellen, leise aufstehen, mich ebenso leise anziehen und dann mülltauchen gehen. Mal sehen, was die örtlichen Container so bieten. Vorher muss ich natürlich noch Erkundigungen einholen, ob man bei diesen nächtlichen Streifzügen eine Bankräubermaske braucht, oder ob es reicht, sich das Gesicht zu schwärzen.
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