Atomkraftgegner planen sechs Großdemos zum Fukushima-Jahrestag
Berlin (dapd). Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wollen Tausende Atomkraftgegner in Deutschland für einen schnelleren Atomausstieg auf die Straße gehen. Für den 11. März sind sechs Großdemonstrationen angekündigt. Die Initiative "Ausgestrahlt" rechnet mit zahlreichen Teilnehmern. "Wer glaubt, der Anti-Atom-Protest sei vorbei, wird sich wundern, wie groß das wird", sagt Sprecher Jochen Stay der Nachrichtenagentur dapd.
Geplant ist eine Lichterkette zwischen den Atommülllagern Asse II und Schacht Konrad im Braunschweiger Land. Zudem soll an der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau sowie an vier AKW-Standorten protestiert werden. Den Reaktor Brokdorf bei Hamburg wollen Atomkraftgegner umzingeln, mobilisiert wird ebenfalls zu den Kraftwerken Neckarwestheim (Baden-Württemberg) und Gundremmingen (Bayern). In Hannover wollen Umweltschützer gegen das nahe gelegene AKW Grohnde demonstrieren. Zu den Protesten mobilisieren "Ausgestrahlt" und neun weitere bundesweite Organisationen sowie mehrere lokale Initiativen.
Mit den Protesten solle darauf hingewiesen werden, dass auch die noch laufenden Anlagen nicht sicher seien, sagt Atomkraftgegner Stay. "In jedem der neun Reaktoren kann das Gleiche passieren wie in Fukushima." Probleme gebe es etwa mit Hochwasser oder Erdbeben.
Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Bundestag beschlossen, dass acht Reaktoren abgeschaltet werden müssen. Die restlichen Kraftwerke dürfen jedoch weiterlaufen, im Jahr 2022 soll das letzte AKW vom Netz gehen.
Aus Sicht Stays ist das "nur ein halber Ausstieg". Zudem sei das Abschaltdatum für den letzten Reaktor "mit Sicherheit noch nicht endgültig entschieden", sagt der Aktivist. "Die Absichtserklärung muss noch drei Bundestagswahlen überleben." Er befürchtet, dass sich wiederholen könnte, was schon im Jahr 2010 passierte: Der rot-grüne Ausstiegsbeschluss aus dem Jahr 2001 wurde unter der schwarz-gelben Bundesregierung wieder rückgängig gemacht.
Der aktuelle Ausstiegsbeschluss sollte aber auch nach Meinung von Stay noch einmal geändert werden. "Wir wollen, dass es schneller geht." Wenn ihm ein guter Freund verspreche, er wolle in zehn Jahren mit dem Rauchen aufhören, "dann werde ich ihn auch nicht beglückwünschen". Das Ende der Atomkraft müsse deutlich eher kommen. "Die Katastrophe kann jeden Tag passieren."
Die Bevölkerung sehe das ähnlich. Bei einer Umfrage im vergangenen Sommer haben sich laut Stay 56 Prozent für einen Ausstieg bis spätestens 2016 ausgesprochen. "Viele Menschen sind sehr unzufrieden mit der Entscheidung des Bundestags." Einige Reaktoren dürfen laut Beschluss sechs Jahre länger laufen.
Am vergangenen Wochenende waren Atomkraftgegner in 151 Städten auf die Straße gegangen und hatten an die Reaktorkatastrophe von Fukushima erinnert.
Am ersten Jahrestag wird auch im westfälischen Gronau gegen den Weiterbetrieb der dortigen Urananreicherungsanlage demonstriert. Die Anlage verarbeitet den Atombrennstoff Uran, ist nicht vom Ausstiegsbeschluss betroffen und wird derzeit sogar ausgebaut. Stay hält das für widersprüchlich: "Es passt nicht zusammen, aus der Atomenergie aussteigen zu wollen und gleichzeitig fast ein Zehntel aller Atomreaktoren weltweit mit Brennstoff zu versorgen."
(Deutschland-Karte mit Orten der Großdemos: http://url.dapd.de/8IYxv0
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(dapd nachrichtenagentur)
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