Mittwoch, 16. Mai 2012 | Internetzeitung
 
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Kommentar von Arnd H. Moritz

Achtung, Baustellen!

Kochkunst am Abgrund

Berlin (24PR-arhemo). Jetzt gibt es eine zweite Baustelle, die die erste droht in den Schatten des Vergessenen zu verdrängen. Das Brodeln der braunen Soße bindet die Aufmerksamkeit der Politköche, so dass übersehen werden kann, dass der Eurokochtopf überläuft.

Es kam wie Professor Wilhelm Hankel es in seiner Eurokritik hatte durchblicken lassen. Alle Eurobefürworter haben uns die bürgernahen Konsequenzen verschleiert oder einseitig dargestellt, um den Bürger eurofit zu machen. Nun hat die Realität das politisch Gewollte eingeholt. Tomas Tranströmer hatte den Literaturnobelpreis 2011 erhalten. Begründet wurde die Verleihung unter anderem damit, dass er in seiner Poesie neue Wege, beziehungsweise Zugänge, zur Realität aufgewiesen habe.

Die Euroarchitekten sollten Tranströmer lesen.

Die braune Soße wabert. Und mit ihr Teile der Politik. Da ist zum Beispiel der auftrittbeflissene Grünenabgeordnete Christian Ströbele, der kürzlich wieder seinen Heiligenschein im TV zurechtzupolieren wusste. Seine massive Kritik galt dem Versagen des Verfassungsschutzes. Hört, hört! Ströbele, der Mann für das Dagegensein, aus Prinzip. Hier hat er sich selbst überholt. Er ist zwar nie so weit gegangen wie seine ostgründeutschen Kollegen, die den Dienst einst gänzlich abschaffen wollten, nein, Christian Ströbele bleibt differenziert im Scheine seiner pop-art-acrylen Posterheiligkeit. Er strebte stets eine wesensantagonistische Diensttransparenz und Kontrolle an. Als ob die Dienste nicht kontrolliert würden. Demokratisch versteht sich. Nicht populistisch à la Ströbele.

So lange die Bundesrepublik Deutschland nicht lernt ihre freiheitliche Rechtsordnung mit ihrem soliden sozialen Fundament, und damit sich selbst, wirklich ernst zu nehmen und klare Töne mit einer klaren Sprache verbindet statt vermeidet, wird die vom deutschen Volk nicht selbst erkämpfte Freiheit stets als Raum der Beliebigkeit missverstanden. In genau diesem Raum sind Werte und Ziele suchende Jugendliche unterwegs, ihre Lebensmaßstäbe zu finden. Die braune Soße wird ihre Zutaten finden und weiterwabern.

Die Antworten vieler Menschen auf das rechtsstaatliche Freiheitsangebot zeigen, dass mit Freiheit auch ein staatsfundamentales Koordinatensystem verbunden sein muss, das die Hinweise zu den Polstellen in sich trägt. Denn letzte führen in einen Abgrund, aus dem Feuer und Lava drohen hervorzuquillen, um das hohe Gut gesellschaftlicher Freiheit mit einer neuen Topographie des Terrors zu überziehen.

Die Sprache politischer Extremisten unterscheidet sich in Prägnanz und Schärfe von der Beliebigkeit erzeugenden Verschwommenheit voll-krasser sinnentleerter Gegenwartslaute, die einen Zeit'geist' manifestiert, der die Rufer und Mahner der Vergangenheit beleidigt.

Wer seinen Opfern heutzutage mit 'du Opfer' die Unantastbarkeit der Menschenwürde entzieht, wer dabei zuhört und -schaut, und nicht begreift, was Sprache mit Menschen macht, der macht sich mitschuldig. Und ob das dann endgeil ist, wird niemanden mehr interessieren, auch nicht die Lacher von heute.

Tags: Professor Wilhelm Hankel Eurokritik Tomas Tranströmer Politik Kommentar Verfassungsschutz Terror

 
 
 

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